Nach 3 Wochen im Osten Ontarios, geht es mit großen Schritten westwärts und um die großen Seen Nord-Amerikas. Wir wollen die Küstenlandschaften des zweitgrößten Sees der Welt erkunden, mal eintauchen und ein paar Züge drin wagen. Außerdem steht Kanada Day vor der Tür, da wollen wir etwas Kanadisches erleben.

Also nehmen wir den Weg auf uns und erkunden. Entlang der Strecke verbringen wir noch zwei Tage auf der zweitgrößten Insel des Huron Sees, auf St. Joseph. Die kleinen Ortschaften der Insel bewegen uns zur Entschleunigung – absolut notwendig, nach 250 km volle Kraft voraus von unserem Startpunkt, der Widgawa Lodge Ferienwohnung. Der Blick von der Insel auf den Huron See ist entzückend und das Wasser einladend türkis. Interessante Sehenswürdigkeiten auf der Insel sind die Ruinen eines Verteidigungspostens der Briten aus dem 18. Jahrhundert, das Fort St. Joseph sowie Adcock’s wunderschönen englischen wilden Garten. Wir haben uns die Zeit genommen um Beides ausgiebig zu bewundern.

Die Ruinen sind Teil der Fort St. Joseph National Historic Site, bieten kleinere Wanderwege mit dem Rundweg um die Ruinen und im Informationszentrum mit Museum veranschaulicht ein Film das Leben zur Zeit der Anlage. Das Personal ist super drauf und verpasst uns Airbrush-Tattoos. Yeah, ich habe zwei Paddel auf dem Unterarm.
Das Fort war ein Verteidigungsposten der Briten (errichtet im Jahr 1797) um die Pelzhandel-Route vor den Amerikanern zu schützen, welche sich nur wenige Kilometer weiter südlich befanden. Nach Ausbruch des Krieges zwischen Amerika und Großbritannien 1812, eroberten die hier stationierten britischen Soldaten den nahelegenden Posten der Amerikaner und ließen St. Joseph schutzlos zurück. Zwei Jahre später nutzen die Amerikaner die Gelegenheit und brannten den Verteidigungsposten auf St. Joseph komplett nieder. Erst als Parks Kanada ein archäologisches Programm in Jahr 1964 startete, wurden die Ruinen nach zehnjähriger Arbeit komplett freigelegt und der Öffentlichkeit gezeigt.

Auf dem Weg zu, oder von den Ruinen sollte jeder Adcock’s wilden Garten bestaunen. Hier wandert man zwischen einem Mix aus natürlichen Wildblumen, verschieden duftenden Rosenbüschen, bezaubernden Gobelin und durch den „betrunkenen Wald“ bestehend aus Kiefern und Zedern, welche sich durch ihr Gewicht im weichen Untergrund krümmen, verbiegen, um sich wieder hoch zur Sonne aufzubäumen. Die Schönheit des Gartens wird zusätzlich in den Teichen reflektiert, welche geschmückt sind mit Wasserlilien und hungrige Schildkröten beherbergt.

 

50 km westwärts beginnt der Superior See, welcher in der Stadt Sault Ste. Marie über Stromschnellen und durch eine große Schleuse, die den Schiffsverkehr ermöglicht, in den Huron See fließt. Sowohl auf der kanadischen als auch auf der US-amerikanischen Seite gibt es große Schiffsschleusen, wobei die auf der US Seite größer sind und Tankern die Überfahrt erlauben.
Das Gelände auf der kanadischen Seite gehört zu der Sault Ste. Marie Canal National Historic Site und bietet neben einem winzigen Museum noch zwei Wanderwege um die Schleuse sowie über die natürlichen Stromschnellen. Ein Besuch lohnt sich für uns als Fahrpause.

Ab hier sind es noch 40 oder 80 Kilometer bis zu den strandreichen Provinzial Parks an der Küste des Superior Sees. Dazu zählt die Batchawana Bay und die Pancake Bay mit feinen Sandstränden und einigen Wanderwegen entlang der Küste. Allgemein gibt es entlang der Küste viele Strände an denen wir uns im Sand wälzen. Neben Batchawana Marine Park, eignet sich auch der Pancake Provincial Park für einen 3,5 km langen Strandspaziergang, eine 14 km lange Fahrradtour, Boots- und Kanu-Touren auf dem hellblauem Wasser. Ab August, wenn das Wasser wärmer ist, sogar für einen gemütlichen Badeausflug.

 

Jedoch wollen wir länger wandern, um die unterschiedlichen Felsformationen an der Küste zu bestaunen, deswegen fahren wir zum großen Lake Superior Provincial Park. Der Park bietet neben dem 65 km langem Küstenwanderweg ebenfalls einige kürzere Wanderwege in unterschiedlichen Vegetationen.
Wir wollen auf den 65 km langen Coastal Trail entlang der Küste des Lake Superior, der mit seiner Größe und dem Wellengang nichts von einem Tümpel zuhause hat. Wir wandern zu Aussichtspunkten, klettern Klippen hoch, krakseln über Stein-, Sandstrände und übernachten im Zelt bei Wellenrauschen. Wer den kompletten Küstenwanderweg gehen möchte, sollte mindestens 5 Tage einplanen.

Küstenwanderweg: Wer die Schönheit des Wegs erleben will, jedoch nur zwei Tage entlang der schroffen Küste eine Teilstrecke wandern möchte, hier unsere Empfehlung:
Das Auto am Parkplatz des Sinclair Cove Wanderwegs parken und mit dem Fahrrad bis zur Brücke Coldwater fahren. Dauer: 1, 5 Stunden. Hier ist einer der wenigen Einstiege zum Küstenwanderweg. Von dort geht es südlich-ödtlich bis zum Zeltplatz Kathrin Cove (12 km). Ein unvergesslicher Ort auf einer vorgelagerten Halbinsel, umringt vom blauen Wasser des Superior Sees.
Am nächsten Tag geht’s 15 km über unterschiedlichen Untergrund zurück zum Auto. Die Strecke sollte man nicht unterschätzen, da viele Abschnitte über Felsen oder Wackersteine verlaufen und das Vorankommen etwas langsamer vorangeht. Besonders wenn es regnet, wird der Weg rutschig. So bleibt viel Zeit, die Landschaft auf sich wirken zu lassen.
Belohnt werden wir auf der Strecke mit abwechslungsreichen Küstenlandschaften und einen unendlichen Blick auf den See. Dabei ändert sich Vegetation wie folgt: Feine Sandstrände, Kieselstein Strände, Strände mit abgeschliffen Rundsteinen, Klippen, Felsen und kleinere Waldabschnitte.

Ein Muss ist der Halt bei den Agawa Rock Pictographs! Die indianischen Zeichnungen sind am Ende eines 0,5 km kurzen Wanderwegs an Felswänden kurz oberhalb der Wasserline aufgetragen. Das Alter der Zeichnungen wird auf 150–400 Jahre geschätzt und wurde von den Ojibwe Ureinwohnern gezeichnet. Die dargestellten Figuren, die mit einer Mixtur aus Roteisenerz von dem Schamanen Myeengun aufgetragen wurden, zeigen Kanus, Bieber, Graureiher, Adler, Bären, Schildkröten sowie andere mystische Figuren wie den großen Wasserlux, der als Beschützer des Kupfers gilt. Denn genau diesen galt es in dieser Zeit vor den europäischen Minenarbeitern, welche sich am Superior See ausbreiteten, zu beschützen.

Ojibwe: Sind eine (regionale) Gruppierung der Anishinabe, die wiederum eines der größten Indianervölker Nordamerikas sind. Die Anishinabe teilen sich in verschiedene Gruppierungen (Algonkin, Nipissing, Mississauga, Potawatomi, Odawa, Oji-Cree, Saulteaux und die Ojibwa) und siedelten sich entlang der Großen Seen Nordamerikas an. Die Ojibwe selbst sind die zweitgrößte Gruppierung, hinter den Cree, und sind bekannt für ihre Birkenrind-Kanus, Wildreis Kultivierung, dem Handel mit Kupfer und einer sehr friedlichen Lebensweise. Mit dem Einzug der Europäer zogen die Ojibwe von Quebec, immer weiter Richtung Westen zu den Großen Seen und später bis nach Zentral-Kanada.

Zudem ist der 8 km lange Wanderweg um den Orphan Lake mit Aussichtspunkten über den See Superior, auf die Leech und Lazard Islands und auf der nördlichen Seite den Baldhead Mountain ein gelungener Pfad. An dem Steinstrand vorbei, kommen wir zu einem kleinen Wasserfall bevor es durch den Wald zum Parkplatz geht.

 

In Wawa sind die Menschen verrückt nach riesigen Canada Goose Abbildungen. Spontan beim Durchfahren sichten wir vier gigantische Statuen. Die Gemeinde brüstet sich damit die Größte zu haben. Hier lässt sich spenden zum Bau eines noch größeren Monuments.

Weitere eindrücken der rauen Küste und der Boreal Grenzlandschaft bietet der Pukaskwa National Park. Das unglaublich nette Personal, die abwechslungsreichen Wanderwege und der bezaubernd süße Duft der Rosen, welcher Ende Juni in der Luft liegt, sollten jeden überzeugen hier ein paar Tage Zeit zu verbringen.
Zwei Wanderungen, die wir ins Herz geschlossen haben:
1) Southern Headland Trail: Der 2 Stunden Rundweg zeigt all das, was die schroffe Küste zu bieten hat: Schwarze Lava Felsen, weite Aussichten auf den See, Sandstrand mit Treibholz und Schilf-Landschaften.

2) Coastal Trail: Der 60 km lange Küstenwanderweg, wovon es ausreicht nur die Hälfte abzuwandern um die verschiedenen Landschaften zu genießen, bietet die Möglichkeit 2–6 Tage lange Wanderung zu unternehmen. Weit abseits der Zivilisation verbringen wir die Zeit inmitten von ruhigen Wäldern, reißenden Flüssen, gigantischen Wasserfällen sowie der schroffen Küstenlinie des Superior Sees.
Eine mögliche Variante den Wanderweg abzulaufen ist folgende:
Erster Tag, 8 km zum White River Zeltplatz. Zweiter Tag, 14 km zum Morrison Harbour Zeltplatz – Lager aufbauen. Dritter Tag, Tagesausflug zur Oiseau Bay (16 km hin und zurück zum Lager). Vierter Tag, zurück zum Auto (22 km).
Alternativ: Erster Tag, 16 km Wanderung zu den Chigamiwinigum Wasserfällen und Übernachten am Fluss Willow. Zweiter Tag, zurück zum Auto, oder 8 km weiter zum Zeltplatz Fisherman Harbour, Lager aufbauen und rasten. Dritter Tag, Tagesausflug zum Fisherman’s Cove und wieder zurück zum Lager. Vierter Tag zurück zum Auto (25 km).
Höhepunkte sind neben den zwei Wasserfälle entlang des Weges, eine lange Hängebrücke, die 23 Meter über dem reißenden White River baumelt, abwechslungsreiche Vegetation und Ruhe.

Als wir dort sind, ist Canada Day und alle Kanus sowie die Stand-Up Paddle Boards sind umsonst und stehen uns zur Verfügung für das gesamte Wochenende. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und paddeln nachdem wir ein riesiges Stück sahnige Kanadatorte verdrückt haben. Danke Pukaskwa Park! Canada Day in einem Park zu verbringen ist eine super Idee, denn die Parks stellen ein Programm für das gesamte Wochenende auf die Beine. Uns gefällt’s, wir kanuen, besichtigen die Tour zum Bau von Longhouses aus Birkenrinde, paddeln in der Bucht, wandern und hängen am Strand rum.
Tipp: Wer hier durchfährt sollte in Pic-River auftanken, hier gibt es den günstigsten Sprit in der Region!

 

Weiter westwärts empfehlen wir außerdem einen Ausflug zum Neys Provinzial Park, welcher den interessanten Wanderweg Point Trail mit Schautafeln zur Entstehung der Gesteine bereit hält. Dauer: 1–4 Stunden, je nach Interesse an der Geschichte und der Umgebung. Hier haben Lava, Gletscher und Gezeiten ihre einzigartigen Spuren im Felsen hinterlassen, die es zu erkunden gibt.

Alternativ haben wir 50 km weiter Richtung Westen einen zweiten ausgeschilderten Küstenwanderweg entdeckt, als wir einen Canyon mit Wasserfall besuchen, der nicht zum Park gehört, und somit kostenlosen Zeltplätze entlang der Küste bereit hält, der Voyager Trail. Er startet bei den Aguasabon Falls, die 30 m in die Tiefe stürzen um sich anschließend durch den Canyon zuwinden.

Wir fahren weiter Richtung Thunderbay und dem Sleeping Giant, der See ist einfach zu groß für nur einen Artikel.

Auf bald,
Martin und Tatjana

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