Am Dienstagabend geht es rund! Wie lernt man etwas über die kanadische Lebensweise, erlebt einen fantastischen Kanu-Ausflug in die Wildnis und findet nebenher Arbeit?

Dank der Facebook Gruppe Work and Travel Kanada! Mit dem Beitrag zu einem Gesuch von Arbeitern auf einem Campingplatz mit Ferienwohnungen, der Widgawa Lodge & Outfitter, kamen wir zu einer außergewöhnlichen Kanuerfahrung.
Die Widgawa Lodge ist der Kanu-Kajak-Ausstatter am Zugang der Westseite des Killarney Provincial Parks, welcher selbst an der Nordspitze des Huronsees liegt. Dieser Park ist einer der bekanntesten in der Region, wenn nicht in ganz Kanada. Einerseits durch die einmalige Schönheit der Natur sowie der großen Dichte an Seen, Kanurouten und Wanderwegen. Andererseits, da die bekanntesten Künstler Kanadas, besser bekannt als die Gruppe aus 7, hier ihrer Gemälde fertigten. Sie haben den Schutz der einmaligen Region initiiert und somit die Gründung des Parks gefördert.
Die Landschaft ist durchzogen von Flüssen, Seen sowie weißen, abgerundeten Quarzithügeln, der La Cloche Gebirgskette. Diese weißen Bergkuppen und Klippen stehen im direkten Kontrast zu den eingebetteten blauen Seen und grünen Kiefernwälder. Traumhaft! Ein idealer Ort um Kanu zu fahren. Perfekt, dachten wir uns, als wir hörten, das als Arbeitsausgleich neben Verpflegung und Logis die Nutzung der Kanus möglich ist – ok, bei Verpflegung hatten sie mich schon 🙂

Widgawa Lodge & Outfitter
Nach unserer Job-Anfrage via Facebook bei Joshua und Conni, den Besitzern der Widgawa Lodge, ging alles sehr schnell und unkompliziert: „Klar, kommt vorbei wenn ihr in der Gegend seid“ hieß es in der Antwort E-Mail. Gesagt, getan! Vor allem im Frühjahr sind die zwei immer auf der Suche nach Helfern. Unsere Aufgabe klang simpel: Die Dächer der zwei Außentoiletten müssen erneuert, sowie gestrichen werden. Nach einer anfänglich geplanten Dauer von 2–3 Tagen, hat es doch 5 gedauert. Erfahrungen mit Dach Schindeln hatte ich noch keine, aber kann ja nicht schaden für zukünftige Hausbau Projekte.

Angekommen, bekommen wir eine 3 Zimmer Hütte mit Küche und Bad zur Verfügung gestellt. Purer Luxus für uns. Die Beine lang machen, am Tisch sitzen zum Essen und es gibt eine Dusche. Promt werden wir zum Lagerfeuer eingeladen – das ist Tradition und wird an fast jedem Abend gepflegt. Die Gitarre wird ausgepackt und schon sitzen Bruce Springsteen, R.E.M., The Grateful Dead, … mit am Lagerfeuer sowie die Gäste und Mitarbeiter. Conni und Joshua sind großartig! Sie machen den Besuch im Park für alle zu einem Erlebnis. Wir können jedem nur Empfehlen hier vorbeizukommen, um den Park per Kanu zu erkunden.

Genauso sind beide als Arbeitgeber spitze und richtig entspannt:„Macht das es gut Aussieht“ war die Devise. Ein paar Tipps und eine kurze Einweisung wie man Schindeln aufs Dach legt, und dann überließen Sie es uns, wie wir die Arbeit abschließen. Das Wetter ist traumhaft heiß. Martin und ich arbeiten gerne an den Toilettchen: messen, sägen, Nägel ziehen, hämmern, streichen, uns mit dem Wasserschlauch nassspritzen…

An ein paar Nachmittag fahren wir mit dem Boot in den Provincial Park. Wir haben Grillzeugs dabei für Abendessen und ein Grill ist an Board. Die zwei verstehen wie man Mitarbeiter und Gäste verwöhnt. Toll, das zur gleichen Zeit ein weiteres deutsches Work and Travel Paar hier ist. Sebastian und Janina haben ihre Tour durch Kanada vor ein paar Wochen gestartet. Gerne teilen wir unsere Erfahrungen von der Ostküste mit ihnen und überließen ihnen die dokumentierte Neufundland-Karte – auch wenn wir uns von ihr nur schweren Herzens trennen konnten.

 

Killarney Provincial Park
Es geht für drei Tage in den Park. Wir wählten einen favorisierten 32 km Rundweg zum Nellie See. Dieser führt über sechs Seen, einen Flusslauf, einen Biber Damm und fünf Tragepassagen. Randnotiz: Lange haben wir über ein häufige dargestelltes Bild in Kanada gerätselt, bei dem ein Mensch sein Kanu auf dem Kopf trägt, jetzt wissen wir, was damit gemeint ist, eine Kanu-Tragepassage (Englisch: Portage). Da fühlt man sich 300 Jahre zurück versetzt, in die Zeit der Pelzhändler, welche ihre Waren in die großen Städte wie Montreal transportierten mussten. Einen anderen Weg gab es nicht!

Für den ersten Tag haben wir uns die 15 km lange Paddelstrecke mit drei Tragepassagen vorgenommen. Es geht los von der Widgawa Lodge am Charlton Lake. Der Weg führt vorbei an weißen Hügeln und Kiefernwäldern, Holzhütten am Seeufer und über einen riesigen Biberdamm in den Howry Flusslauf, Richtung Murray See. Übersät mit Wasserlilien und Seerosen, bahnen wir unseren Weg entlang der Einfuhrschneise zu ersten großen Tragepassage. Um zum Nellie See zu gelangen, muss man jedoch erstmal etwas wandern. Mit dem Kanu auf den Schultern geht es 1.5 km und 230 Höhenmeter durch den Wald. Tatjana trägt einen Rucksack vorne, einen hinten und die Paddel, ich nur das 24 kg schwere Kanu auf den Schultern.

Nach insgesamt 8 Stunden kommen wir am Ziel an und werden von einem glasklaren, türkisblauen See überrascht. 20 bis 30 Meter kann man hier bis zum Grund schauen. Einzigartig, und nicht natürlichen Ursprungs. Denn als hier in den 50iger Jahre die Luft durch die Erzmine verpestet wurde, tötete der resultierende saure Regen bis heute alles Leben im See, und kreierte diese Schönheit.
Die Erzmiene wurden mittlerweile geschlossen und die Schornsteine der neuen Fabrik höher gebaut, sodass die Abgase weiter hinausgeschleudert werden. Den Säuregehalt im See kann man jedoch heute noch messen. Zum Schwimmen ist es völlig in Ordnung, zum Trinken scheinbar auch – die Meinungen teilen sich da. Wir ziehen es vor das Wasser zu filtern.
Es ist ruhig auf dem See. Weit ab der Zivilisation. Nur 3 Zeltplätze gibt es am Nellie See, welche alle schon im Voraus reserviert werden müssen und auch schnell ausgebucht sind. Damit wird die Anzahl der Leute limitiert, und die Natur geschont.

Wir hatten das Glück Larry, der von hier seinen alljährlichen, einwöchigen Kanu-Camping-Trip startet, in der Widgawa Lodge kennenzulernen. Er war so nett und hat uns angeboten seinen Zeltplatz mit uns zu teilen. Diese Einladung haben wir angenommen. Cool!

 

Am zweiten Tag erkunden wir mit dem Kanu den 7km langen Nellie Lake, erklimmen eine schroffe Granitklippe und gehen in dem türkisen Wasser schwimmen. Uns begegnen Loons und sogar zwei Biber. Larry meint, das sieht er zum erstmal seit Jahren. Die Natur erkämpft sich ihren Lebensraum zurück. Jeder der hierher kommt, sollte mindestens einen Ruhetag einplanen, es ist traumhaft.

 

Am dritten Tag geht es früh morgens zurück. Es warten zwei Tragepassagen mit 2 km und 1,7 km Länge, sowie eine Paddelstrecke von etwa 17 km auf uns.
Dieses mal sind wir jedoch richtig schnell und schaffen die komplette Route in 5 Stunden. Das Paddeln und steuern haben wir perfektioniert. Bei den Tragepassagen werden wir durch die unermüdlichen Stechmücken angetrieben. Ihnen ausgeliefert marschieren wir, mit dem Kanu auf den Schultern, durch den Wald. Zuerst zum Grace Lake, anschließend zum Frood Lake. Nur kurz machen wir einmal halt, als wir ein Moose mitten auf unserem Pfad antreffen. Wer weicht hier wem aus? Deutlich zu erkennen, dass die Verwunderung auf beiden Seiten herrscht und keiner sich vor oder zurück wagt. Motiviert durch die lästigen Stechmücken und dem 24 kg schweren Kanu auf den Schultern, ergreifen wir die Initiative und passieren das Moose seitlich durch den Wald. Sichtlich erleichtert verschwindet das Moose in die andere Richtung.
Trotzdem bleibt genug Zeit für Fotos. Ein Muss ist der Morgen auf dem Grace Lake. Die Spiegelungen der kleinen Inseln und Felsen verwandeln die Landschaft in ein buntes Kaleidoskop.

Ein absolutes Highlight der Reise!
Danke Conni, Joshua und Larry!

One thought on “Kanutour im Herzen Kanadas”

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