Die Großstadt Montreal hat viel zu bieten. Unter anderem kalte Tage mit Temperaturen unter -20 Grad. Der Winter ist trotzdem toll hier: Denn wenn es in Montreal nicht schneit, scheint die Sonne! Aber was ist noch so toll in Montreal? Einige Reiseführer nennen die unzähligen Kilometer unterirdischer Einkaufspassagen. Oder die alte Hafenstadt. Aber ich muss sagen, beides hat mich nicht überzeugt.

Toll in Montreal sind vielmehr die hartgesottenen Fahrradfahrer, die im Winter mit mir durch Straßen düsen. Es gibt zahlreichen Fahrradwege, die fleißig geräumt und gestreut werden. Das Montrealer-Winterfahrradfahrer Kennzeichnen: Sie tragen alle Ski Brillen! Der kalte Wind der zwischen den Hochhäusern vom St. Lawrencestrom kommend weht, trennt die Spreu vom Weizen. Ich wusste ich habe etwas zu Hause vergessen … Immerhin habe ich die Skihose und lange Unterwäsche eingepackt, und die kommen zum Einsatz. Sei es zum Radeln, Laufen, Schneeschuh wandern oder Ski fahren!

Durch die zahlreichen Sonnentage erlebt man in diesem Winter einen schnellen Wechsel zwischen Schnee, Eis und etwas Matsch. Entsprechend ist das Räumen des Schnees von den Straßen eine gigantische Aktion. Hierfür wird am Vorabend ein Parkverbotsschild an den Masten für ganze Straßenzüge angebracht. Von morgens bis in den späten Nachmittag sind Räumfahrzeuge unterwegs, um den Schnee zu bewegen, bis dann in mehrfachen Lkw-Ladungen der Schnee abtransportiert wird. Wie bei einer Weizenernte, katapultiert ein Räumfahrzeug, der Mähdrescher, den Schnee von der Straße in den Lkw. Morgens um 6 Uhr „Reise nach Jerusalem“ spielen, oder wie die Montrealer sagt „Umparken wegen Schneeräumung“ – Ein neues Hobby. Die Parkplatzsituation in Montreal ist bescheiden, wie zu erwarten ist bei einer 1.7 Millionen Metropole. Ein Wirrwarr an Parkverbot-Anwohner- und 30 min-Parkplatz-Schildern. Wer da nicht aufpasst, ist schnell $53 los. Bezahlen kann man den Strafzettel bequem vom Computer aus …

Toll in Montreal, QC sind die Wohnungen mit Außentreppe. Meistens 2-stockwerke hoch und durch eine geschwungene Metall- oder Holztreppe verbunden. Dies mag im Winter unpraktisch sein, hat sich aber etabliert, da es Platz im Haus für Flure spart und draußen toll aussieht.
Ebenso die Graffitis in den Straßen sind so beeindruckend!

 

 

Toll in Montreal ist die Zweisprachigkeit. Obwohl die Amtssprache Französisch ist, hört man durch die Zuwanderer: Englisch, ca. 35 %. Während in Quebec Stadt, und in den meisten anderen kleiner Städten sowie Dörfern, die wenigsten Englisch sprechen. So ist es in Montreal typisch, das sobald jemand merkt, das der Gegenüber kein Französisch spricht, direkt zu Englisch gewechselt wird, ohne entsetzte Blicke auszutauschen.

Ach ja, und bestimmt 50 % der Leute tragen im Winter dunkelblaue Canada-Goose Jacken mit Fellkapuze. Klingt komisch, ist aber so.

Toll in Montreal sind die Winteraktivitäten. In den zahlreichen Parks sind Eisbahnen zum Hockey spielen aufgebaut. Hinzu kommen einige größere Teiche, welche ständig vom Schnee geräumt werden, und bis in die späten Abendstunden beleuchtet sind und von Schlittschuhläufern besucht werden. Die Nutzung ist kostenlos und häufig lassen sich Schlittschuhe vor Ort ausleihen. Ich habe Glück, Denis hat mir seine geliehen. Nur zwei Nummern zu klein: passen trotzdem gut und sorgen für etwas Abwechslung.
Selbst bei frischen Minusgraden sieht man im Park de la Fontane und am Mont Royal (beide nur 5 Minuten von meiner Wohnung entfernt), immer sportlich aktive. Ich bin also nicht der Einzige verrückte. Am Mont Royal gibt es zudem Langlaufstrecken. Bisher bin ich hier aber nur zum Laufen gekommen. Von oben ist die Aussicht grandios! Und ein super Training wenn man die 227 Meter nach oben zum Gipfelkreuz läuft 😉

 

 

Toll in Montreal sind ebenfalls das bunte Veranstaltungsangebot. Angefangen mit dem Weihnachtsmarkt, dem Schneefest für Kinder und Erwachsene mit Hundeschlitten oder Rutsch-Hügeln, dem Iglufest zum Abfeiern im Freien, sowie der Luminale! Letzteres, bietet neben Fressständen, Lichter Kunst, einige außergewöhnliche Aktivitäten wie: Zipplining, beleuchtete Mini Bob-Bahn und Open-Air-Konzerte. Jedes der Festivals geht über 2–3 Wochen und bietet Abwechslung und Spaß.

À bientôt! Bis bald!
Martin (im Französichen wird das Ende eines Wortes nasal gesprochen: Martöhn)

PS: Angestiftet von einen Youtube-Beitrag habe ich mir das Buch eines der bekanntesten kanadischen Astronauten Chris Hadfield gekauft: An Astronaut’s Guide to Life on Earth
Ihr kennt ihn vielleicht von seinem Youtube-Hit: David Bowie’s Space Oddity

Das Buch erzählt die Geschichte und die persönlichen Erlebnisse eines Mannes, der stets seinen Kindheitstraum Astronaut zu werden nachgeht. Sehr detailreich berichtet er über die Ereignisse während seiner Ausbildung und der Arbeit als Astronaut. Sein Fokus ist, das der Leser von seinen Erfahrungen lernt. Ein wichtiger Punkt in der Ausbildung und dem Beruf des Astronauten: Aneignen von Wissen und Können durch Training, sammeln von Erfahrungen, um im All und genauso im alltäglichen Leben vertrauen zu haben in die eigenen Taten.
Für mich ist dies ein Aspekt kanadischer Geschichte. Außerdem hat er einen Song mit seinem Bruder aufgenommen, der perfekt zum Artikel passt, das Leben in Kanada thematisiert und sich gut anhört. Schaut unbedingt rein: In Canada

PPS: Nur nebenbei für alle ESA Fans da draußen, Chris Hadfields Sohn, Evans hatte eine Zeit lang in Darmstadt bei der ESA gearbeitet, Multimedia und so Zeug.

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