Nach fünf Monaten im Yoga Camp ziehe ich ein Fazit: Das Yoga Camp hat mir die Möglichkeit der Ausbildung zur Yoga-Lehrerin geboten. Gleichzeitig konnte das Camp von meinen Fähigkeiten als Designerin profitieren. Ein Austausch von dem wir beide etwas hatten. Ob ich nun in einem Ashram leben möchte?

Nein, nicht in diesem Leben. Wieso?

Geschätzte 60 % der eingekauften Lebensmittel landen auf dem Komposthaufen. Die Tätigkeit wird als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zur Charakterbildung betrachtet – ich kann mich ganz gut selber beschäftigen, danke. Der Einkauf ist getrimmt auf billig: Ich fahre gleich nochmal zum Walmart, braucht jemand etwas? Der Gast ist König, aber Mitarbeiter essen Avocados im Januar in Kanada. Übrigens, könntest du in 10 min unterrichten? Deine Handlungen müssen selbstlos sein, somit darfst du keine Früchte deiner Handlungen erwarten. Ich glaube ich habe perfekte Menschen erwartet, deswegen musste ich enttäuscht werden.

 

Lebensmittel
Leider gibt es keinen Küchenverantwortlichen, somit wird pi mal Daumen eingekauft, gekocht und weggeworfen. Der Komposthaufen freut sich. 30 % der Lebensmittel verrotten schon im Kühlschrank. Gemüse, das braune Spuren oder welke Blätter aufweist, hat hier keine Chance im Topf zu landen – so wird ein wenig abgewartet bis es schimmelig ist. Jetzt können die Sterneköche es ruhigen Gewissens in die Tonne hauen. So funktioniert es ebenfalls für die Reste des Gekochten – ab in die Tonne nach ein paar Tagen im Kühlschrank.

Unterrichten
Ich liebe das Unterrichten. Etwas Bemerkenswertes ist das Vertrauen, dass den frisch ausgebildeten Schülern entgegengebracht wird. Jeder unterrichtet. Schon in meiner ersten Woche nach dem Training musste ich ran: Ich fand es anstrengend. Die Vorbereitung hat Zeit von meiner eigenen Praxis genommen plus die Zeit, die ich an Aufregung verschwendet habe. Doch schon in der 2ten Woche kamen Anfragen zum Unterrichten 30 min vor Unterrichtsbeginn: „Tulasi, könntest du heute unterrichten? Krishna kann nicht.“ Ich? Jetzt? Ohne Vorbereitung und Nervosität im Vorfeld kann ich nicht unterrichten. „Es gibt niemand anderen.“ Ich ging und tat es. Nun, ich wurde besser. Im Yoga Camp unterrichtete ich 2-/3-mal pro Woche. Das macht nach Adam Riese 5 Monate x 4 Wochen x Unterrichtsstunden = ca. 60 Unterrichtsstunden die jeweils 2 Stunden lang sind – 120 Stunden Erfahrung!!!
Neue Erkenntnis im Unterricht: Es geht um den Schüler und nicht die Nervosität des Lehrers. Lustiger Fakt: Ich glaub, ich kann nur auf Englisch unterrichten!

Spiritualität
Im Yoga Camp liegt der Fokus auf deiner Aufgabe, denn an der sollst du wachsen. So wuchs ich spirituelle bei der Bearbeitung von Bildern für Facebook, Instagram und bei der Gestaltung von Postern. Yoga in der Tat nennt sich Karma Yoga. Karma Yoga ist die selbstlose Handlung ohne Aussicht auf Früchte. Die Aufgaben werden häufig als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen verteilt. Ganz getreu dem Slogan: Wer arbeitet ist beschäftigt. Ich muss nicht beschäftigt werden. Ganz gut kann ich eigenständig Projekte finden, die mich interessieren. Sobald wir keine konkreten Anweisungen von oben bekommen, werden wir herumziehen, Häuser abfackeln, böse Menschen treffen? Übrigens bin ich Facebook likes abhängig geworden. Das Aktualisieren einer Facebook-Seite mit meinem Beitrag ist zur Leidenschaft geworden: 5:20 Uhr ich wache auf, greife zum Telefon, der Daumen wischt über die Anzeige, 18 mehr likes!

Außerdem hatten wir die Satsangs morgens und abends: 30 min Meditation, 45 min Sanskrit-Lieder singen (inklusive der Abschlussgebete) und 10–30 min persönlicher Erfahrungsbericht oder Lesung aus den Schriften der Gurus, Swami Sivananda oder Swami Vishnudevananda.
Meditation habe ich erst erfahren als ich das Vipassana-Center in Montebello besuchte. Die halbe Stunde am Morgen und Abend ist eine Einsteigerübung, denn das stillsitzen für eine halbe Stunde ist nicht in unserem Kulturkreis verankert und unangenehm zu Beginn. Selbst Sivananda und Vishnu meditierten für mehrere Stunden täglich.
Sanskrit singen: Ich kann wirklich nicht sagen, ich hätte es nicht versucht. Jeden morgen und Abend habe ich fröhlich mitgetrellert. Ja, es ist schön in einer Gemeinschaft zu singen. Ja, es hebt die Laune. Ich kenne bessere Lieder.
Die Themen der Ansprachen während des Satsangs reichten von „Wie mich Swami Vishnu beeinflusste als ich ihn traf“ über „12 Tugenden üben in 12 Monaten“ zu „Wir sind eins“. Hier sehe ich das Potential in der Wiederholung. Wie ein Zettel den man sich an den Badezimmerspiegel geklebt hat, wird man durch die tägliche Ansprache erinnert, dass es Aufgabe ist etwas besser an diesem Tag zu sein. Das jeder Gedanke beeinflusst werden kann und wurde. Das Spiritualität nicht bedeutet freundlich jedem entgegen zulächeln, aber sich dieser Kraft bewusst zu sein. Spiritualität ist die Verbindung zum Transzendenten, zur Intuition und damit fordert sie einen bewussteren Umgang mit sich selbst, Anderen und der Umwelt.

Au revoir Ashram, Tatjana

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